Endlich – Roman Herzog als Fürsprecher der Jüngeren

Endlich – Roman Herzog als Fürsprecher der Jüngeren

Erschienen am Donnerstag, 21. Mai 2015

Einige kennen ihn sicher noch, den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog. Der hat gerade die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft für ein Übermaß an sozialen Ausgaben an falscher Stelle kritisiert. Am Rande einer Veranstaltung des Roman-Herzog-Instituts in München sagte er nämlich: „Die Älteren müssen sich schon fragen, ob sie zu sehr auf Kosten der Jüngeren leben.”

Der heute über 80 Jahre alte Herzog bezieht einen „Ehrensold“ von derzeit ca. 215.000 Euro pro Jahr. Außerdem hat er Ansprüche auf Beihilfe, sowie Büroräume, eine Büroleitung und weiteres Personal, dazu einen Dienstwagen mit Chauffeur. Da lebt doch hoffentlich kein Älterer auf Kosten der Jüngeren?

Und nicht genug damit. Er sagte auch noch, dass wir erkennen und einsehen müssen, dass es das Perfekte in im sozialen Bereich nicht geben kann. Der gute Herr Herzog hat wohl von Mindestlohn, Altersarmut, prekären Arbeitsverhältnissen usw. nichts gehört.

Nun muss man bei Roman Herzog ein wenig aufpassen. Im Jahr 2000 ließ er sich im einer Anzeige zu folgender Äußerung hinreißen: „ … für viele [Sozialhilfeempfänger] ist es komfortabler sich vom Staat aushalten zu lassen, als sich anzustrengen und etwas zu leisten.“

Nach der Drucksache 14/5990 des Deutschen Bundestages, S. 339f. gab es in Deutschland im Jahr 1998 insgesamt 2,879 Millionen Sozialhilfeempfänger. Davon waren 1,074.000 Personen (37,30 Prozent) minderjährig. Aber die wird er doch wohl nicht gemeint haben, oder?
Knapp 280.000 Sozialhilfebezieher waren über 60 Jahre alt. Meinte er diese?
386.000 Bezieher waren Nichterwerbstätige wegen häuslicher Bindung, Krankheit, Behinderung oder Arbeitsunfähigkeit. Waren das die vielen? Und 191.000 Bezieher von Sozialhilfe waren erwerbstätig oder nichterwerbstätig wegen Aus- und Fortbildung. Die konnte er doch nicht meinen. Von den knapp drei Millionen Sozialhilfeempfängern waren allenfalls 949.000 Menschen theoretisch arbeitsfähig. Aber von denen waren bereits 680.000 arbeitslos. Da verblieben gerade mal 270.000. Aber das sind nur rund neun Prozent aller Sozialhilfeempfänger. Das waren die ‚vielen’, die Roman Herzog meinte! Ok, das war im Jahr 2000.

Wer Lust hat, sollte in die Nachdenkseiten von 2004 schauen. Da wird er erfahren, mit welchen Geistesgrößen und vorausblickenden Köpfen sich Herr Herzog damals umgab. Hier einige Namen: Uli Hoeneß, Meinhard Miegel, Oswald Metzger und Peter Hartz.

Im Jahr 2008 warnte Herzog zum ersten Mal vor einer „Rentner-Demokratie“: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie.
Merke: Offensichtlich gehört Herr Herzog nicht zu den Älteren, und Rentner ist er als Pensionär schon gar nicht. Pech nur: Achim Goerres kam in einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung zu dem Ergebnis, dass die These von Rentnern als „ökonomische Pressure-Group“ empirisch keine Faktengrundlage habe.

Tatsache ist, die Rentner müssen schon eine mächtige politische Gruppierung sein. Gut sie haben keine Lobby und die Erhöhungen der Rente sind ausgesprochen dürftig. Aber das könnte ja alles Tarnung sein. Es könnte allerdings auch noch anders sein: Herr Herzog hält uns alle für verblödet, die Jüngeren und die Älteren, nur sich selbst nicht.